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BHG-Urteil zu Behandlungsfehler: Klinik muss für Aufklärung sorgen

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat mit seinem Urteil vom 20. November 2020 eine klare Ansage gemacht: Wenn ein Patient den falschen Arzt wegen eines Behandlungsfehlers belangt, muss der Arbeitgeber mehr tun, als nur den zu Unrecht verdächtigten Kollegen zu entlasten. So berichtet das Portal arzt-wirtschaft.de in seinem Artikel, den wir hier zusammengefasst haben.

Im konkreten Fall ging es um einen Patienten, der sich in der Notaufnahme einer Klinik vorgestellt hatte. Einer der diensthabenden Ärzte legte dem Mann einen venösen Zugang. Einige Tage später klagte der Patient über Schmerzen, Schüttelfrost und Fieber. Als Ursache wurde unter anderem eine MRSA-Sepsis festgestellt. Die Keime hatten sich an der Wirbelsäule festgesetzt und mussten operativ entfernt werden.

Der Patient verklagte daraufhin die Klinik auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Sein Vorwurf: Die Infektion hätte vermieden werden können, wenn der behandelnde Arzt die gängigen Hygienestandards beim Legen der Infusion gewahrt hätte. Dieser aber hätte weder Handschuhe getragen, noch habe er sich zuvor die Hände gewaschen. Zudem haben er für die Infusion eine Spritze benutzt, die zuvor auf den Boden gefallen sei.

Die Klinik widersprach dieser Darstellung und führte aus, der behandelnde Arzt, Dr. R., habe die Infusion verabreicht und dabei alle Hygienestandards eingehalten. Als Zeuge befragt gab Dr. R. allerdings an, er habe die Infusion lediglich angeordnet. Welcher seiner Kollegen den venösen Zugang tatsächlich gelegt habe, könne er nicht sagen.

Den Vorinstanzen hatte diese Einlassung noch genügt, um die Klage des Patienten abzuweisen. Der BGH war anderer Auffassung: Im vorliegenden Fall hätte das Klinikum also nicht nur erklären müssen, wie es die Hygieneregeln eingehalten hat, sondern auch klar benennen müssen, wer genau die Infusion legte.